Orthomolekulare Medizin - Behandlung mit Vitaminen und Spurenelementen

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Diese in den USA seit 1978 als eigenständige Medizinrichtung anerkannte und untrennbar mit dem Namen des zweifachen Nobelpreisträgers Linus Pauling (1901 – 1994) verbundene Methode postuliert, dass Erkrankungen durch eine Störung von essentiellen, von Natur aus in unserem Körper vorkommenden Mikronährstoffen (Vitamine, Vitaminoide, Spurenelemente, essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, Enzyme, Hormone, sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralstoffe) entstehen und der Ausgleich von Mangelzuständen in der Vorbeugung, Therapie und der Nachbehandlung therapeutisch verwendet werden kann.


Dieses Thema ist untrennbar mit Ernährung verbunden und verdeutlicht uns, wie wertvoll und wichtig eine breit aufgestellte, den Bedürfnissen nicht nur hinsichtlich Brennwert (Kalorien) gerecht werdende Ernährung ist. Es wird immer wieder von Kritikern behauptet, dass es in unseren Breiten bei ausgewogener Ernährung keine Mangelzustände geben kann und daher eine Supplementierung von oben genannten Stoffen keine Bedeutung hat. Diese Aussage bezieht sich allerdings nur auf eine ausgewogene Ernährung, die auch (oder gerade) in Mitteleuropa von vielen Menschen nicht (mehr) erreicht wird – man denke an den häufigen Konsum von Fertigprodukten, Fast-Food und generell einseitiger, unregelmäßiger Ernährung.


Hinzu kommen zunehmend mikronährstoffarme und schadstoffreiche Lebensmittel, die trotz perfektem Äußeren dem Konsumenten nicht annähernd die notwendigen Nährstoffe liefern und zudem die Schutzmechanismen in unserem Körper massiv belasten können. Man bedenke, dass Früchte erst im Reifungsprozess die für uns wertvollen, weil essentiellen (das heißt, dass sie unser Körper nicht selbst herstellen kann) Inhaltsstoffe produzieren – ein Fakt, den jeder Biologie-Student im Fach Botanik erlernt. Stellt man dem die gelebte Praxis im Handel gegenüber, dass Früchte noch lange vor der Reifung geerntet werden müssen, um nicht vor dem Verkauf zu verfaulen, wird klar, dass wir zwar kalorisch und optisch ansprechende, jedoch sonst bezüglich Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen sehr verarmte Produkte erhalten, die zudem noch mit Schadstoffen (zumeist Pestizide und Schwermetalle) angereichert sind. Ein Umstand, den auch eine Ethylengas-Bedampfung vor dem Ausliefern und Platzieren in den Regalen nichts mehr ändert.


Im Prinzip haben Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Mikronährstoffe auch in der Pflanze bzw. ihren Früchten die gleichen Aufgaben wie in unserem Körper: sie schützen vor freien Radikalen. Das sind im Stoffwechsel oder durch äußere Einflüsse wie Hitze oder UV-Bestrahlung entstehende, sehr reaktionsfreudige Produkte, die Zellen schädigen und zu einer Fehlfunktion des Organismus bis zum Tod führen können. Unsere Zellen (auch die Erbinformation im Zellkern) werden durch antioxidative Systeme (Enzyme) geschützt, die freie Radikale abbauen, also „einfangen“. Diese Schutzmechanismen benötigen jedoch ausreichende orthomolekulare Substanzen als Kofaktoren, um richtig funktionieren zu können.


Neben zu geringer Zufuhr aus oben genannten Gründen kann auch ein Mehrbedarf an orthomolekularen Substanzen zu einer Verarmung im Organismus führen. Dies ist zum Beispiel bei chronischer Stessbelastung der Fall. Auch sind bereits manifestierte Erkrankungen ein Indiz für Mikronährstoff-Defizite, die ich nicht nur theoretisch, sondern auch in meiner täglichen Arbeit mit Messungen (siehe unten) beobachten kann. Es gibt de facto keine Störung im Körper, bei der nicht Mikronährstoffe in irgend einer Form zu wenig vorhanden sind oder nicht adäquat verwertet werden können. Gerade im Bereich der internistischen Erkrankungen sind die Zusammenhänge sehr gut erkennbar – und damit auch einer Therapie zugänglich.


Der Ausgleich von Mikronährstoffen erfolgt entweder über orale Gabe, daneben werden häufig auch Infusionen gegeben, mit denen unvergleichbar höhere Dosierungen erreicht werden können. Bekannte Anwendungen sind zum Beispiel die Gabe von Vitamin C, Vitamine der B-Reihe, Vitamin D3, Omega 3-Fettsäuren, Selen, Zink, Mangan, Chrom, Coemzym Q10 und Q1 (NADH), OPC und Bioflavonoiden.


Neben akuten Erkrankungen (z.B. Infekte) spielt die Orthomolekulare Medizin gerade bei chronischen Störungen (sämtliche internistische Erkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und Gefäßveränderungen im Rahmen der Arteriosklerose, Darmerkrankungen, Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen, Allergien,…) eine tragende Säule in einem ganzheitlichen Therapiekonzept. Und das eben nicht nur in der Behandlung schon vorhandener Störungen, sondern auch in der Vorbeugung.


Welche Stoffe verabreicht werden, wie lange und in welcher Dosis, wird individuell bestimmt. Eine Supplementierung aller Nährstoffe und Vitamine (es gibt Präparate, die sich am durchschnittlichen Tagesbedarf eines Menschen orientieren) ist nicht sinnvoll, da individuell sehr große Unterschiede im Bedarf und Bestand gegeben sind. Nicht nur Mangelzustände, auch Überschüsse sind auszugleichen! Daher rate ich von einer blinden, in Eigenregie durchgeführten Supplementierung ohne ärztlicher Begleitung ab, da es durchaus auch negative Effekte einer nicht angemessenen Therapie geben kann.


Die Messungen von Spurenelementen, Aminosäuren und Schadstoffen sind teilweise recht aufwendig und mit hohen Kosten für die Patienten verbunden. Mittlerweile kann ich meinen Patienten ein Verfahren anbieten, wobei die Messung ohne Nadelstich und Blutabnahme durch ein spektrometrisches Verfahren an definierten Punkten des Körpers durchgeführt werden kann. Die Vorteile sind neben dem Ausbleiben einer Blutabnahme und dem Wegfall des fehleranfälligen Versands mit hohen Kosten auch die sofortige Auswertung und damit verbunden die Möglichkeit einer unverzüglichen Therapieentscheidung. Bei einzelnen Fragestellungen sind jedoch weiterhin umfangreichere Messungen im Blut, die ich jedoch detailliert mit meinen Patienten bespreche, notwendig.

"Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung der Gesundheit und die Behandlung von Krankheit durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind."

Prof. Linus Pauling

Der Darm - Sitz der Gesundheit

Bedeutsam ist es jedoch auch, die Darmflora auf etwaige Störungen hin zu analysieren. Oft kommen Patienten in meine Ordination, die schon lange Zeit Ersatz von Vitaminen und Spurenelementen erhalten, ohne dass sich an den Messergebnissen und noch entscheidender an der Befindlichkeit/Erkrankung etwas bewegt. In solchen Fällen wird mittels Stuhlanalyse das so genannte Mikrobiom, das zunehmend in den Fokus der Forschung rückt, hinsichtlich Zusammensetzung untersucht. Unter Mikrobiom versteht man die Gesamtheit der im Darm angesiedelten Keime, die in Summe rund 2-3 kg unseres Körpergewichtes ausmachen und mit einer Anzahl von 100 Billionen Zellen rund 10 x höher liegt als die Anzahl aller Zellen unseres Körpers! Die Mikroorganismen sind uns wohl gesonnen und unterstützen nicht nur unsere Verdauung, sondern regulieren mit ihren Stoffwechselprodukten auch die Funktion der Darmschleimhaut mit den darin enthaltenen Enzymen und stehen mit dem Zentralnervensystem über vielschichtige Wege in Verbindung (Hormone, Nervenbahnen des autonomen = vegetativen Nervensystems, Zytokine) und regulieren dabei nicht nur Gefühle wie Hunger, Sättigung, Übelkeit,…, sondern auch sehr stark unsere Befindlichkeit durch direkte Wirkung auf das limbische System, den Sitz unserer Emotionen. Es heißt nicht umsonst, dass man auf seinen Bauch hören soll! Eine sehr wichtige Rolle hat unser Mikrobiom in Zusammenhang mit dem in und um den Darm sehr dicht (rund 80% aller Immunzellen sind hier lokalisiert) ausgeprägten Immunsystem: Wir stehen Tag für Tag über den Verdauungstrakt mit unserer Umgebung in Verbindung und nehmen Millionen von Molekülen zu uns, die hinsichtlich Schädlichkeit und Gefahr für den Gesamtorganismus von unseren Immunzellen geprüft werden müssen. Die Zusammensetzung unserer Darmflora im Detail ist so individuell wie ein Fingerabdruck, es gibt jedoch die Erkenntnis (in der Naturheilkunde bereits seit langer Zeit, in der Schulmedizin mit wissenschaftlichem Beleg wie erwähnt in letzter Zeit zunehmend!), dass bei bestimmten Erkrankungen die Zusammensetzung verändert ist. So genannte Leitkeime können mittlerweile in Form von Probiotika gezielt verabreicht werden, wobei das Sanieren einer angeschlagenen Darmflora oft ein recht aufwendiges Verfahren ist. Sinnvoll ist es in jedem Fall, die primären Störfaktoren soweit es möglich ist zu identifizieren und zu eliminieren, daneben ist auch die Gabe von Präbiotika essentiell. Auch diätetische Umstellungen werden von mir immer wieder ausgesprochen und angeregt. Für meine Patienten bringe ich oft folgenden Vergleich: das beste Saatgut wird nicht keimen und guten Ertrag erbringen, wenn der Boden nicht passt. Im Prinzip kann man unser Mikrobiom mit einem komplexen Ökosystem vergleichen: je größer die Vielfalt ist, desto stabiler zeigt sich das Verhalten gegenüber Störeinflüssen.


Ich werde oft gefragt, warum die Zusammensetzung der Darmflora im Laufe des Lebens kippen kann und es zum Beispiel zu einer übermäßigen Zunahme von Fäulniskeimen kommen kann. Die Erklärung hierfür ist nicht immer einfach bzw. im einzelnen Fall zu beantworten, da es eine Vielzahl von Störfaktoren geben kann. Es kann speziell nach wiederholter Antibiotikatherapie zu solchen Phänomenen kommen, auch die Ernährungsgewohnheiten (Anteil tierischer Eiweiße, gesättigter Fettsäuren, Alkohol, Aromastoffe, Konservierungsmittel und Farbstoffzusätze) spielen eine große Rolle.


Tatsache ist jedoch, dass eine Störung der Darmflora eine entscheidende Rolle in der Entstehung und dem Weiterbestehen bei einer Vielzahl von Erkrankungen spielt! Ich möchte Ihnen hier nur einen kurzen Überblick verschaffen, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulzerosa, Morbus Crohn und Zöliakie
  • Autoimmunerkrankungen wie Rheuma
  • Allergisches Asthma
  • bronchiale und Neurodermitis
  • Infektanfälligkeit
  • Hautausschläge
  • Leberwerterhöhung ohne erkennbare Ursache
  • Allergien und Unverträglichkeiten (Fruktose, Sorbit, Laktose,…)
  • Reizdarm
  • Depression, chronische
  • Erschöpfungszustände, Burnout
  • Arteriosklerose
  • Diabetes mellitus (speziell Typ 1)
  • Tumore (nicht nur des Verdauungstraktes)

Umso wichtiger ist es mir als ganzheitlich tätiger Facharzt für Innere Medizin, das Thema Darmgesundheit mit meinen Patienten regelmäßig hervorzuheben. Es erscheint beim ersten Anblick etwas verwirrend, warum Erkrankungen teils fernab vom Darm ihre Wurzeln eben dort haben sollen. Betrachtet man jedoch die oben genannten Funktionen mit den komplexen Verschaltungen speziell mit unserem Immunsystem, erstrahlen viele Erkrankungsmodelle in anderem Licht und werden plausibler. Weiters ist die Besserung von Beschwerden unter bzw. nach einer Darmsanierung für mich und meine Patienten mehr als nur der oft von Kritikern geäußerte Placeboeffekt, die oft mögliche Erhebung von Labor-Parametern zur Verlaufskontrolle sind neben der subjektiven Einschätzung der Patienten ein eindrucksvoller Beweis.